Vor drei Tagen haben wir zum ersten Mal einen Hurricane miterlebt – waehrend der Regenzeit ist das hier nichts ungewoehnliches. Wir waren zu der Zeit in Las Penitas, einem winzigen Fischerdorf am Meer. Geschlafen, gegessen und getrunken haben wir bei Pita und Gordon aus Kanada. Ein lustiges Ehepaar, das direkt bei der Laguna ein kleines Hotel gebaut hat. Aber zurueck zum Wind: erst am fruehen Nachmittag kam die erste Hurricane Warnung, da fanden wir das Ganze noch witzig und aufregend. Aber ganz ehrlich: Wir haben noch nie so einen Wind erlebt. Kaum eine Stunde spaeter hat die Polizei dann angefangen, das ganze Dorf zu evakuieren (so. wie war das jetzt, man kann nur Gebaeude evakuieren, oder ?) – jedenfalls haben Feuerwehr und Polizei (insgesamt 5 Maenner) die ganzen Bewohner eingesammelt und wir sind mit. Pita und Gordon wollten lieber in ihrem Hotel bleiben (aufgrund der stablien Bauweise ihres Hauses definitiv die richtige Entscheidung). Aber wir hatten Angst. Deswegen haben wir uns dem Rest des Dorfes angeschlossen und uns in die Kirche bringen lassen. Ein sehr sicherer Zufluchtsort mit offenen Fenstern und Wellblechdach. Es war echt wie im Film: Schreiende Kinder, Wasser und Maissaft wurden verteilt – und wenn man aus dem Fenster sah: Immer mehr Wind, umstuerzende Baeume, peitschender Regen und ueberall die losen Drahtseile kaputter Stromleitungen. Da wollten wir dann lieber wieder zurueck ins Hotel. Das ging aber nicht mehr, weil sich die Strasse inzwischen in einen gefaehrlichen Fluss verwandelt hatte und die Polizei hat uns nicht gehen lassen. Also wieder zurueck in die Kirche. Mittlerweile trieben hier auch ein paar fundamentalistische Katholiken ihr Unwesen und schrien irgendetwas von einer letzten Salbung, kurz vor dem Tod durch Gottes Hand. Es war bizarr. Gebete, weinende Kinder, lachende Erwachsende (die Menschen hier sind katastrophengeuebt, 1992 hat uebrigens ein Tsunami das ganze Dorf zerstoert. Im Vergleich dazu war dieser Hurricane also wirklich ein Lacher). Das schlimmste war eigentlich: Wir hatten einfach keine Ahnung, was ueberhaupt um uns herum passiert. Niemand wusste es. Einige Zeit spaeter kam dann auf einmal ein muellwagenaehnlicher Lastwagen angefahren. Wieder lautes Gebruell: Frauen und Kinder zuerst! Wir also rauf auf den Laster, zusammen mit etwa 60 Frauen und Kindern. Und ein voll besoffener Mann mittleren Alters, der staendig herumgebruellt und den Kindern noch mehr Angst gemacht hat. Ihr muesst Euch das jetzt aber richtig vorstellen: dieser Lastwagen hatte kein Dach und es hat immer noch geregnet und gestuermt, wie verrueckt. Noch dazu die lateinamerikanische Langsamkeit, es hat sicher eine halbe Stunde gedauert, bis wir endlich losfahren konnten. Es ging nach Leon, in die naechstgelegene Stadt – waehrend wir in der KIrche waren, kam naemlich schon die naechste Hurricane-Warnung. Diese einstuendige Fahrt war dann schlussendlich das gefaehrlichste an der ganzen Sache. Ich hab mich gefuehlt wie in einem Computerspiel mit einer klaren Aufgabenstellung: Umgestuerzten Baeumen und losen Stromseilen ausweichen.
Aber es ist alles gut gegangen. Am Ende kamen dann sogar ein paar Paparazzi, die haben unserem LKW fotografiert. Der betrunkene Volltrottel ist dann ueber die kleinen Kinder geklettert, damit er auch auf dem Bild ist. Den haben wir wirklich gehasst. Nass bis auf die Knochen sind wir dann in Leon angekommen – ohne Geld, ohne Kreditkarte und ohne Pass. Aber die Menschen waren wie immer sehr liebenswert und wir haben ohne Probleme Unterschlupf gefunden. In Leon gibt es bis heute noch immer keinen Strom und auch kein Wasser.

Kurz nach der ersten Hurricane-Warnung. Da haben wir uns noch gefreut: Endlich kommen unsere Regenjacken zum Einsatz! Sie sind tatsaechlich wasserfest!
Der Blick von unserem Hotel zur Lagune. Allerdings erkennt man hier kaum, wie es wirklich war. Der Wind ist richtig in das Wasser reingefahren, mit einer horrenden Geschwindigkeit.

Einen Tag spaeter in Las Penitas. Das Schwein kennt sich nicht mehr aus.

Die bereits durch den Tsunami zerstoerten Haeuser sehen nach dem Hurricane noch zerstoerter aus.


Sodala. Und zum Abschluss noch ein paar positive Bilder. Wir haben naemlich eine tolle Zeit in NIcaragua. Die Menschen und die Natur hier sind fantastisch!

Hier der Blick von unserem Hotel in Las Penitas in Richtung Lagune. DIe Lagune sieht man nicht, weil sich der Bus dazwischen draengelt. Oeffentliche Verkehrsmittel in Lateinamerika sind lustig, es gab bisher kaum eine Fahrt, auf der nicht irgendwas Spannendes passiert ist.

Magdalena ganz entspannt bei Kaffee und Haengematte.

Wir waren Kanufahren. War toll. Angeblich schwimmen hier kleine Aligatoren im Wasser herum. Wir haben keine gesehen. Stattdessen merkwuerdige Kaefer, Baeume (deren Aeste ins Wasser wachsen), Termiten und etwa 3 Millionen Moskitos. Das mit dem Parallelpaddeln war fuer uns ueberhaupt kein Problem. Deswegen sind wir auch immer wieder voller Wucht in das umliegende Gestruepp gesteuert. Was wiederum den ein oder anderen Kleintier-Paranoia-Anfall ausgeloest hat.

Kulinarisch haben uns Pita und Gordon wirklich sehr verwoehnt. An diesem Abend gab es Hai (unglaublch gut), dazu Reis und suesser Krautsalat.
Und hier seht ihr Pita. Eine sehr zynische Lady, die uns waehrend der paar Tage ausreichend mit ihrem wuchtigen Temperament unterhalten hat. SIe trinkt, raucht und faucht die ganze Zeit. Wir haben mitgemacht und mitgelacht.

Sodala: und hier der eigentliche Grund wieso es uns ueberhaupt nach Las Penitas verschlagen hat – Kitesurfen. Magdalena liebt Kiten. Kaum den Kitegurt umgeschnallt, das Trapez in der Hand und der Kite in der Luft: Magdalena ist gluecklich.

Genau. Zuerst muss man natuerlich alles vorbereiten.
Blick auf Granada – eine sehr bunte, liebe Stadt weiter oestlich in Nicaragua.

Hier sitzen wir auf dem Turm eines ehemaligen Militaerareals. Heute finden hier Malkurse statt. Krieg und Kunst an einem Ort, irgendwie lustig.

Bunt.

Auch hier gibt es Fiaker. Nur leider kein Fiakergulasch.

Magdalena macht sich ab und zu lustig ueber mich. Mit Recht!































































































































































